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Schlaf, Kindlein, schlaf... aber bitte alleine

Nein, das sind nicht die Worte einer kaltherzigen Mutter. Das sind die Worte einer Mama, die gern mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen würde, am besten noch allein mit ihrem Mann im Ehebett.

Das Bett unserer Kleinen mit allen Kissen und Kuscheltieren der Mädels

Selbstgeschaffene Schlafprobleme

Wo fange ich an? Am Besten vor ungefähr sieben Jahren... Unsere Große hat sehr früh schon in ihrem eigenen Bettchen in ihrem Zimmer geschlafen. Sie ist wunderbar allein eingeschlafen und hat so gut durchgeschlafen, wie das Babys im Alter von wenigen Monaten tun. Was haben uns unsere Freunde beneidet, wenn wir ihnen erzählten, wie unkompliziert das Schlafen bei uns war. Was soll ich sagen: Wir hätten den Tag nicht vor dem Abend loben sollen...

 

Unsere Große bekam eine sehr starke Erkältung. Damit wir besser mitbekommen, wenn sie nachts Probleme hat, haben wir sie in unserem Bett schlafen lassen. Man glaubt gar nicht, wie schnell sich so ein kleiner Wurm daran gewöhnt... Naja, und so ein kleiner Wurm stört ja auch gar nicht. Und es ist ja auch irgendwie schön nachts aufzuwachen und das kleine Wunder neben sich zu beobachten.

 

Doch irgendwann wollten wir sie dann mal wieder in ihrem Bett schlafen lassen. Ihr ahnt es schon, oder? Es hat natürlich nicht mehr funktioniert... So kam es, dass ich jeden Abend gefühlte Ewigkeiten vor dem Bett unserer Großen verbracht habe - immer, bis sie eingeschlafen war. Ich habe in dieser Zeit viel zu dem Thema gelesen... von schreien lassen bis genießen. Ich muss zugeben, dass ich beides nicht wirklich konnte. Das Schreien lassen konnte ich mit meinem Herzen nicht vereinbaren. Aber die Zeit vor dem Bett konnte ich auch nicht genießen. Wir haben einige Anläufe unternommen, sind aber letztlich immer daran gescheitert, dass ich es nicht durchziehen konnte.


Durchschlafen ist völlig überbewertet

Als unsere Kleine geboren wurde, wollten wir der Großen diese Veränderung nicht auch noch zumuten. Das führte dazu, dass ich über Jahre an den Betten meiner beiden Mädels saß, ihnen Geschichten erzählte, ihre Hand hielt und wartete bis sie eingeschlafen waren. So manches Mal saß ich eine ganze Stunde vor den Betten meiner Kinder. Besser wurde es für mich erst, als unsere Kleine keinen Mittagschlaf mehr machte und beide Kinder abends so müde waren, dass sie direkt mit den Gute-Nacht-Geschichten eingeschlafen sind. Aber sie werden größer und ich merke gerade bei der Großen, dass sie abends immer öfter eben nicht mehr mit der Geschichte einschläft...

 

Die Nächte selbst waren für mich jedoch immer das Schlimmste. Ich konnte keine Nacht durchschlafen. Jede Nacht rief mich mindestens eine der beiden, weil sie aufgewacht war und nicht wieder allein einschlafen konnte. Ja, wie auch? Sie hatten es ja verlernt oder im Fall der Kleinen sogar gar nicht erst gelernt. Beim Einschlafen war ich immer so lange bei ihnen, bis sie eingeschlafen sind. Wie sollten sie da nachts wieder allein einschlafen können?

 

Um nicht auch noch nachts vor den Betten der Kinder zu sitzen, habe ich den nächsten Fehler gemacht: sie zu uns ins Bett geholt. So bestand meine nächtliche Unterbrechung nur im kurz Aufstehen, das Kind ins Bett holen und weiterschlafen. Aber es waren dennoch Unterbrechungen. Und vermutlich kennt ihr alle die Auswirkungen, wenn man keine Nacht mehr durchschlafen kann - über Jahre.

 

Hinzu kommt, dass die beiden ja keine kleinen Babys mehr sind. Sie nehmen inzwischen gehörig viel Platz im Bett ein. Ich weiß nicht wieso, aber habt ihr mal festgestellt, dass Kinder nie - aber auch wirklich nie - gerade im Bett liegen. So manches Mal bin ich aufgewacht und unsere Große lag vollkommen quer im Bett oder die Füße hingen schon aus dem Bett raus oder sie lag sogar komplett verkehrt herum. Darüber zu welchen Waffen Füße, Arme und Köpfe im Schlaf werden können, möchte ich gar nicht erst sprechen.


Große Hoffnung: die neuen Kinderzimmer

Als im letzten Sommer jede ihr eigenes Zimmer bekam, hofften wir, dass dies der perfekte Zeitpunkt ist, um zu lernen allein einzuschlafen und auch die ganze Nacht im eigenen Bett zu bleiben. Da hatten wir die Planung aber ohne unsere Mädels gemacht. Am Anfang wollte jede in ihrem eigenen Zimmer schlafen. So standen wir vor der Herausforderung, dass wir beide Mädels getrennt ins Bett bringen mussten. An dieser Stelle muss ich euch sagen, dass Stefan jeden Abend mit den Mädels ins Bett ging, weil er nachts aufstehen musste. Somit war das ins Bett bringen immer meine Aufgabe. So lange beide Mädels sich ein Zimmer geteilt hatten konnte ich beide zeitgleich ins Bett bringen und bei beiden sein. Mit den getrennten Zimmern war das so nun nicht mehr möglich.

 

Also brachte ich immer erst unsere Kleine ins Bett. Ich erzählte ihr die Gute-Nacht-Geschichte, machte ihr ein Hörspiel an und ging dann - wenn ich merkte, dass sie am Einschlafen war - raus. Sie ist dann auch immer gut allein eingeschlafen. Dann bin ich zur Großen rüber, die sich bis dahin selbst beschäftigen musste und habe ihr auch die Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Allerdings kann die Große nicht bei Hörspielen einschlafen, weil sie sich so sehr auf die Geschichte konzentriert, dass sie darüber das Einschlafen vergisst. Also bin ich so bei ihr geblieben, bis sie eingeschlafen ist. Denn sie hat sich mit Händen und Füßen gewehrt, dass ich vorher rausgehe.

 

Das einzig positive an den neuen Zimmern: Es gab endlich große Betten, so dass ich nicht mehr vor dem Bett sitzen musste, sondern mich mit reinlegen konnte. Irgendwann hatte unsere Große genug davon, dass ich immer erst die Kleine ins Bett brachte und die beiden Mädels haben beschlossen zusammen zu schlafen. Erst ein paar Wochen bei der Kleinen im Zimmer, zuletzt schon seit ein paar Wochen bei der Großen im Zimmer. Mit dieser Variante haben wir unser heutiges Einschlaf-Ritual eingeführt:

 

Alle aneinander gekuschelt lese ich eine Geschichte oder ein Kapitel aus einem Buch vor. Im Anschluss wird das Licht ausgemacht und ich erzähle den Mädels noch zwei Gute-Nacht-Geschichten. Beide Geschichten erzähle ich seit sieben Jahren, jeden Abend. Das schafft für die Mädels etwas Vertrautes. Da sie die Geschichten in und auswendig kennen, müssen sie auch nicht mehr wirklich zuhören, sondern können dabei einschlafen. Und dann bin ich bisher immer bei ihnen liegen geblieben, bis sie eingeschlafen sind.



Die Erkenntnis: Wir müssen etwas ändern!

Bisher... Denn jetzt möchten wir das ändern. Warum? Nun, das hat verschiedene Gründe. Zum einen möchten Stefan und ich jeden Abend noch ein paar Minuten Paarzeit miteinander verbringen, bevor Stefan dann auch ins Bett muss. Die Erfahrungen und Probleme des letzten Jahres, haben uns gelehrt, wie wichtig diese paar Minuten für uns als Paar sind. Dann möchten wir gern, dass die Mädels demnächst auch mal bei Oma & Opa schlafen können, damit wir mal wieder einen ganzen Abend für uns genießen können. Das haben wir nämlich seit sieben Jahren nicht. Und da Oma & Opa im Dezember hier in den Nachbarort gezogen sind (vorher haben sie ca. 400 km entfernt gewohnt), würden wir diesen Luxus gern mal genießen. Dann werde ich häufig ebenfalls sehr müde, wenn ich mit in den Betten liegen und so manchen Abend bin ich erst zu später Stunde wieder im Kinderbett aufgewacht. Und nicht zuletzt möchte ich auch mal wieder häufiger Nächte durchschlafen. Ich bin überzeugt, dass dies nur gelingt, wenn die Mädels gelernt haben allein einzuschlafen.

 

Damit wir bei Einschlafproblemen kein müdes Schulkind haben, haben wir die "Aktion" auf die Sommerferien verlegt. Vor zwei Wochen war es dann so weit... Wir haben zuvor alles mit den Mädels besprochen. Wie erwartet hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Der Plan: Ich lese weiterhin eine Geschichte oder ein Kapitel aus einem Buch vor und anschließend kuscheln wir bei den beiden Gute-Nacht-Geschichten nochmal richtig zusammen. Und dann sage ich "gute Nacht" und gehe aus dem Zimmer. Soweit der Plan... Den ersten Abend hat es noch recht gut funktioniert. Ich bin auf der Treppe sitzen geblieben und wenn eines der beiden Mädels gerufen hat gab es nochmal einen Kuss und ich bin wieder raus. Am zweiten Abend hat dann die Große so ein Theater gemacht, dass die Kleine freiwillig in ihr Zimmer umgezogen ist und sich dann später auch noch von der Großen hat anstecken lassen.


Wenn der Plan nicht funktioniert

Plan gescheitert? Nö, wir haben den Notfallplan aktiviert. Diesen hat uns unsere Große höchst persönlich geliefert... Sie wollte in unserem Bett allein einschlafen. Das funktionierte, das wussten wir. Denn oftmals, wenn sie nachts in unser Bett gekommen ist, lagen wir noch nicht drin, weil es nur später Abend war und sie ist dennoch allein wieder eingeschlafen. So kam es, dass unsere beiden Mädels nun jeden Abend in unserem Ehebett allein einschlafen. Die erste Abende noch mit ein wenig Protest und auch der ein oder anderen Träne. Aber mit regelmäßigem Nach-ihnen-schauen und viel Schwesternliebe (ja, da ist dann Blut doch dicker als alles andere) klappt das inzwischen sehr gut.

 

Die ersten Nächte haben beide auch sehr gut in unserem Bett ohne uns durchgeschlafen. Ja: ohne uns. Denn wir schlafen seitdem oben im Zimmer der Kleinen in ihrem Bett. Wir hoffen ja, dass sie sich irgendwann so sehr ans allein einschlafen gewöhnt haben, dass es ihnen auch in ihren Betten gelingt. Für uns ist es immerhin wieder ein Zusammenschlafen ohne dass eines der Kinder zwischen uns liegt. Die letzten beiden Nächte hat das mit dem Durchschlafen leider nicht mehr so gut geklappt. Aber vermutlich lag es auch an mir, denn ich war einfach so müde, dass ich mich zu ihnen gelegt habe wenn sie gerufen haben.

 

Tja, und da stehen wir nun: Es geht in kleineren Schritten vorwärts als gedacht, aber es geht vorwärts. Sicherlich wird es in den nächsten Wochen noch manchen Rückschritt und auch manche Träne geben, aber mit viel Verständnis, Geduld und vor allem Liebe werden wir es schon gemeinsam schaffen. Ich halte euch auf dem Laufenden...


Unsere Gute-Nacht-Geschichten

Wie oben schon geschrieben erzähle ich jeden Abend zwei Gute-Nacht-Geschichten. Warum zwei? Nun, weil jede unserer Töchter eine andere Lieblingsgeschichte hat. Eine Zeit lang habe ich jeden Tag abgewechselt. Aber dann wussten wir manchmal nicht mehr, welche Geschichte dran war und so habe ich irgendwann einfach jeden Tag beide Geschichten erzählt. Und eng aneinander gekuschelt sind diese beiden Geschichten für uns der perfekte Ausklang eines Tages...

Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?

 

"Rate mal, wie lieb ich dich hab" sagt der kleine Hase zum großen Hasen. Der große Hase glaubt nicht, dass er das raten kann. Und so beginnt ein wundervoller Wettstreit, wer den anderen mehr lieb hat: so lang die Arme sind, bis zu den Zehen hoch, so hoch sie hüpfen können, bis zum Fluss und den Bergen... "Bis zum Mond und wieder zurück".

 

Eine wundervolle Geschichte! Auch nach sieben Jahren besteht unsere Große noch jeden Abend auf sie.


 

Wenn kleine Tiere müde sind

 

Gehen denn kleine Tiere auch ins Bett? Auf vielen wundervoll illustrierten Doppelseiten, verpackt in Reimen, erfahren die Kinder, wo kleine Tiere schlafen gehen.

 

"Wohlig warm ist´s unter Papas Bauch!

Und in Mamas Beutel auch!"

 

Dies ist die Gute-Nacht-Geschichte unseren Kleinen, ohne die sie nicht einschlafen kann.



Herzlichst,

eure Doreen

 

Und nun interessiert mich: Schlafen eure Kinder allein ein und die ganze Nacht durch? Habt ihr Tipps, wie wir unserem Ziel näher kommen können?



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