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Auf der Suche nach Gelassenheit

Diese Situationen, wenn du genau weißt, dass dich schreien nicht weiter bringt und du doch schreist... Kennt ihr diese Situationen? Ich schon. Kommt mit auf meine Suche nach Gelassenheit.

Ich weiß nicht, was gerade los ist: Haben wir Vollmond? Oder machen die Mädels beide zeitgleich einen Entwicklungsschub durch? Oder gewinnt die Große in der Schule soviel Selbstbewusstsein, dass es für die Kleine gleich noch mit reicht? Im besten aller Fälle ist es wieder "nur eine Phase"...

 

Beide Mädels haben gerade einen Tonfall an sich, der so gar nicht geht. Und damit meine ich nicht, dass mal leicht gemotzt oder vielleicht mal das falsche Wort gewählt wird. Nein, es wird geschrien, gestampft, geweint - das volle Programm. 

 

Es beginnt schon am Morgen: "Nein Mama, mach mir zuerst die Haare!" / "Maamaaa, die Kleine hat schon wieder den roten Löffel" - "Das stimmt Kleine, wir hatten gestern besprochen, dass die Große heute den roten Löffel bekommt..." - "Aber Mama, die Große hat immer den roten Löffel..." / "Mama, wir haben schon wieder keinen Monte! Wann kaufst du endlich wieder welchen?" / "Mama, die Große hat gesagt, dass ich blöd bin..." / "Habt ihr euren Frühstückstisch abgeräumt?" - "Nö, dass mache ich heute nicht..." / "Neeeiiin, der Papa darf mich nicht in den Kindergarten bringen. Du musst das tun!"

 

Und es geht über den Nachmittag: "Los Mama, kommt jetzt endlich..." / "Mama, ich will jetzt..." / "Wenn du jetzt nicht mit mir spielst, dann bist du nicht mehr meine Freundin!" / "Neeeiiin, ich will jetzt noch nicht rein..." / "Mama, die Kleine hat..." - "Aber Mama, die Große hat..." / "Nö, ich mach keine Hausaufgaben... Hausaufgaben sind blöd... Ich kann das sowieso nicht..."

 

Und geht dann bis zum Abend: "Helft ihr bitte beim Tischdecken..." - "Nö, keine Lust, wir spielen lieber..." / "Mama, die Butter steht viiieeel näher bei der Großen, da komm ich ja gar nicht ran..." / "Mama, du musst uns was vorlesen..." / "Nein Maaamaaa, Papa soll uns keine Zähne putzen..."

 

Ich könnte diese Liste noch fortführen. Aber das Ergebnis bleibt gleich: Es wird sich über alles beschwert und das lautstark mit genügend Wut oder unter Tränen. Und es wird gefordert: "Mama du musst...", "Aber ich will...", "Papa, mach ... jetzt...". Und so geht es den ganzen Tag über.

 

Und ich? Ich versuche gelassen zu bleiben. Ich versuche den Mädels zu erklären, dass die Wortwahl nicht angemessen ist; dass man einen Konflikt nicht immer mit Geschrei austragen muss; dass es wichtig ist, dass alle im Haushalt mit anpacken; dass es Dinge gibt, die man einfach nicht ändern kann, die aber auch nicht besser werden, wenn man sich die ganze Zeit darüber aufregt; dass ich mir mehr miteinander statt gegeneinander wünschen würde; dass es nicht immer darum geht, wer das bessere Spielzeug hat...

 

Aber ich habe das Gefühl, es kommt gar nicht an. Irgendwann fehlt dann nur noch ein kleiner Funke und ich werde auch laut. Ich begebe mich auf ihr Niveau und das wirkt leider wenig deeskalierend. Und welches Vorbild bin ich in solchen Momenten? Wenn ich laut werde, wie soll ich meinen Mädels dann glaubhaft vermitteln können, dass das nicht die Lösung ist?

 

Wisst ihr, was mich noch mehr betrübt? Ihr forderndes und launiges Verhalten kommt gerade jetzt, wo wir ihnen verstärkt Aufmerksamkeit schenken. Wir schaffen uns gerade tägliche Qualitätszeit - also gemeinsame Zeit, die wir ganz bewusst mit gemeinsamen Aktionen füllen und wir nicht eben noch den Haushalt erledigen oder Rechnungen überweisen oder... Wir versuchen uns an den Wochenenden immer häufiger Auszeiten vom Alltag zu nehmen - besondere Dinge zu erleben und Momente zu schaffen, die wir alle nicht so schnell vergessen. Ist es verwerflich, wenn ich ihr Verhalten dann als undankbar empfinde?

 

Oder sind wir selbst die Wurzel ihres Verhaltens? Bauen wir zu viel Druck auf? Vor allem uns selbst gegenüber? Wollen wir zu sehr, dass alles perfekt ist? Interpretieren wir zu viel in die Launigkeiten der Mädels? Sollten sie nicht ein Anrecht darauf haben, sie auszuleben? Ist es nicht auch okay, wenn wir mal nicht gelassen reagieren?

 

Die Frage muss also nicht lauten: "Was ist gerade mit unseren Mädels los?". Die Frage muss doch viel mehr lauten: "Was hält uns davon ab gelassen zu reagieren?". Wenn ich also meine Gelassenheit finden möchte, muss ich zunächst eine Antwort auf diese Frage finden.

Ich geh dann mal auf die Suche...

Und vielleicht erhalte ich dabei unverhoffte Hilfe: Als ich gestern - nach einem Tag mit einigen lauten Situationen - meine beiden Mädels ins Bett brachte: In meinem linken Arm lag meine Kleine, in meinem rechten Arm meine Große. Ich erzählte ihnen die Gute-Nacht-Geschichten, spürte ihre Wärme, roch ihren vertrauten Duft. Und dann haucht die Große mir kurz vorm Einschlafen ins Ohr: "Du bist die beste Mama".

 

Herzlichst,

Eure Doreen

 

Und nun interessiert mich: Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Wie gelingt es euch, ruhig zu bleiben?



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